FAQ

Wer entscheidet über Inhalte?

Was ich gerade lernen will, weiß ich selbst am besten. Ich bringe meine Fragen und Problemstellungen aus meinem Leben, meinen bisherigen Erfahrungen mit. Es macht für mich keinen Sinn, wenn andere mir erklären, was ich zu lernen habe, was ich für eine Praxis benötige, die ich nicht kenne und die in ferner Zukunft liegt. Selbstbestimmtes Lernen beginnt in der Gegenwart: Die Fragen, die sich aus meinem (Arbeits-)Alltag ergeben, sind gerade relevant, die Fragen, die aus den Antworten meiner vorigen Fragen resultieren. Niemand anderes kennt meinen aktuellen Lernbedarf besser als ich.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich warum lernen will, bemerke ich oft, dass ich Motive habe, die mir selbst nicht gefallen. Deshalb ist mir wichtig, dass ich Gelegenheit habe, darüber nachzudenken, was ich warum lernen will. Die Reflexion meiner vergangenen Lernerfahrungen spielt dabei genauso eine Rolle wie die Überlegung, wie meine Utopien aussehen, welche Welt ich brauche, um glücklich zu sein. Schließlich geht es darum, in der Lage zu sein, die Welt so zu gestalten, dass ich gerne in ihr lebe. Erst dann werden Themen für mich relevant, erst dann wird aus Lernen Bildung.

Wer hält die Strukturen aufrecht?

Das InSeL wird von den Menschen getragen, die an ihr lernen wollen. Es gibt keine Angestellten oder Lehrer_innen, keine festen Dozent_innen usw. Die Studies organisieren sich in verschiedenen Arbeitsgruppen, in denen Wissen über Verfahren und Techniken über Generationen weitergegeben wird. Dabei bemühen sich alle Beteiligten um eine möglichst hohe Transparenz.

Wie soll die Arbeit in der Bezugsgruppe parallel zum Referendariat laufen?

Die Bezugsgruppe kann auf das Referendariat vorbereiten, indem sie sich theoretisch mit dem staatlichen Schulsystem, aber auch praktisch mit Möglichkeiten der Veränderung auseinandersetzt. Während des Referendariats können die regelmäßigen Treffen in der lokalen Bezugsgruppe für Reflexion und Unterstützung genutzt werden. Menschen, die das Referendariat abgeschlossen haben, können in der Gruppe die gemachten Erfahrungen einordnen und über Perspektiven der Arbeit in der Schule nachdenken. Das klingt alles nach einem großen Arbeitsaufwand. Wichtig ist aber immer, dass das InSeL-Studium für die Beteiligten eine Bereicherung und Entlastung darstellen und nicht alles noch anstrengender machen soll… Wie viel Zeit die Studierenden sich für die Arbeit an der InSeL und in der Bezugsgruppe nehmen wollen und können, entscheiden sie deshalb jeweils selbst in Absprache mit ihren Bezugsgruppen.

Warum richtet sich das InSeL besonders an Menschen die sich mit Bildungsarbeit beschäftigen?

Das liegt zum einen daran, dass sich Lehramtsstudierende besonders viel mit Lernen auseinandersetzen, deshalb in diesem Kontext die Idee entstanden ist, zum anderen, dass sich völlig freie Bildung am besten für Lernende zweiter Ordnung legitimieren lässt (wir können ja unser Metalernen verwerten) – Ich fänd das ja für alle Menschen schön und es gab auch schon Überlegungen das Insel weiter zu öffnen, allerdings glaube ich, dass es aus politischen Gründen sinnvoll ist, für den Rest der Welt nachvollziehbarer und nach innen etwas konzentrierter anzufangen. Und ich gehe davon aus, dass viele Insulaner_innen ihre Liebe zum Tango, der Arbeiterbewegung, dem Schreiben, Körperflüssigkeiten oder was auch immer entdecken/weiterentwickeln/bauen werden, so dass wir eigentlich schon von einer allgemeinbildenden Hochschule ausgehen könnten.

Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis?

An dem InSeL sollen Menschen nicht in künstlichen Situationen für die Zukunft in der „echten Welt“ lernen. Sie leben und handeln in ihrer Alltagspraxis, arbeiten vielleicht an einer Schule, in der politischen Bildung, in ihren Projekten. Erst das Handeln dort gibt Fragen auf, die es in der Reflexion zu bearbeiten gilt. Lernen passiert schließlich selten selbstzweckhaft und auf Vorrat, sondern meist als ein Versuch, der Welt, wie sie sich gerade darstellt, besser gerecht zu werden, sie besser zu verstehen, besser auf sie reagieren zu können. Reflexion ist jedoch in der Praxissituation mit ihren Handlungsnotwenigkeiten nicht immer gut möglich. Deshalb wünsche ich mir einen Raum, in den ich mich aus der Praxis zurückziehen kann, in dem ich, ohne sofort Entscheidungen treffen zu müssen, Zeit habe, meine Motive, die Wahrnehmung der Situation zu hinterfragen und alternative Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Diese Reflexion bedeutet immer, dass es ein Moment des Zweifels geben können muss, in dem meine bisherigen Sicherheiten erschüttert werden. Wenn ich wirklich lernen will, muss ich offen dafür sein, dass die Welt immer wieder anders aussieht als ich es bisher gedacht habe. Diesen Moment der Unsicherheit zuzulassen und sich die Blöße des Zweifels zu geben kostet Kraft und bedarf eines sicheren Raumes. Ich brauche Menschen, denen ich vertrauen kann, dass sie mir Fehler gestatten, meine Unsicherheit aushalten und mich nicht auf meine bisherige Weltsicht festlegen.

Wie finanziert sich das InSeL?

Im Prinzip kostet Selbstorganisation ja fast nichts. Da es keine Personalkosten gibt, beschränken sich die Kosten hauptsächlich auf Material und Raummiete. Daneben soll jeder Jahrgang ein Budget für das Einladen von DozentInnen für Workshops oder SupervisorInnen oder andere Projekte (Exkursionen usw.) haben.
Dieses Geld soll hauptsächlich von den Teilnehmenden kommen. Die Filmarche, eine selbstorganisierte Filmhochschule, von deren Konzept wir einiges geklaut haben (http://arche-old.so36.net/), kommt mit 50 Euro Teilnehmendenbeitrag pro Monat aus. Das InSeL wird weniger brauchen, weil es nicht die ganze Technik zur Verfügung stellen muss, die eine Schule für Kamera, Schnitt usw. eben braucht.
Neben den Teilnehmendenbeiträgen soll es die Möglichkeit zur Fördermitgliedschaft geben: Also quasi freundliche SpenderInnen, die zu Veranstaltungen eingeladen werden usw. Eine weitere Möglichkeit – auch etwas problematisch – ist das Anbieten von LehrerInnenfortbildungen. Natürlich wäre es schön, auch von anderswo (Stiftungen, EU-Gelder, staatliche Gelder) Geld zu bekommen, aber das schafft Abhängigkeiten, die für demokratische Strukturen immer problematisch sind. Deshalb soll die Entscheidung über den Umgang damit nicht im Vorfeld, sondern von den aktuell Beteiligten getroffen werden.

Wie finanzieren sich die Studierenden?

Anders als staatliche Unis ist das InSeL nicht BaFöG-berechtigt. D.h. die Studis müssen nebenher arbeiten um sich zu finanzieren. Sinnvollste Lösung erscheint zur Zeit: Im Laufe der Jahre versucht das InSeL einen Pool von Stellen im Bildungsbereich aufzubauen, die über die Generationen weitergegeben werden und eine (wahrscheinlich ziemlich knappe) Finanzierung der Studis sicherstellen.

Wieviel Zeit verbringen die Studies mit ihrem InSeL-Studium?

Besteht nicht die Gefahr des „aus den Augen, aus dem Sinn“, also dass die Studierenden das Lernen vernachlässigen, wenn sie allein in ihrer Heimatstadt sitzen und der Job und die Freunde viel näher liegen als das InSeL?

Darüber wurde schon viel diskutiert. Und alleine das zeigt, dass den Beteiligten dieses Problem durchaus bewusst ist. – Ich würde prinzipiell davon ausgehen, dass die Studis ein Interesse daran haben, aus ihrem Studium etwas zu machen. Und ich finde es einen wichtigen Lernprozess, zu bemerken, dass es widersprüchliche Bedürfnisse gibt, dass die Attraktivität des InSeL davon abhängt, wieviel Raum die Beteiligten ihr geben wollen. Vermutlich werden die Jahrgänge jeweils ihre Regelung finden. – Ich traue den Beteiligten sehr viel zu. Vor allem die ersten Jahrgänge, die vermutlich viel Pionierarbeit machen werden, werden vermutlich viel Vorerfahrung mitbringen. Und die nachfolgenden Jahrgänge werden davon profitieren können.

 

 

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